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Die bisherigen Beschreibungen der Arktis und der Antarktis konzentrieren sich – wie bereits auf der Startseite erwähnt - in der Regel auf die Gegensätze dieser Regionen, was nicht weiter verwundert, kommen diese Kontraste doch schon in der gegensätzlichen Bezeichnung zum Ausdruck: Die Antarktis, die keine ständigen Einwohner (und keine Eisbären, sondern Pinguine) hat, wird einfach mit dem Gegenteil der Arktis benannt, die dem altgriechischen Ursprung ihrer Bezeichnung entsprechend (Arktos = Bär, Norden) Eisbären - aber dafür keine Pinguine, sondern seit prähistorischen Zeiten Menschen beheimatet (ua die Stämme der Inuit und der Samen; Eskimo heißt übrigens „Rohfleischesser“ und wird daher als diskriminierend empfunden).  Googelt man - Stand Oktober 2010 - auf Deutsch „Unterschiede“ zwischen den beiden Polarregionen, erhält man 20.100 Treffer, während bei der Suche nach „Gemeinsamkeiten“ nur 1.360 Links erscheinen. Ähnliches gilt für die Suchbegriffe „Arktis Schutz“ (29.800 Treffer) gegenüber „Antarktis Schutz“  (104.000 Treffer). Dies überrascht, weil die Schutzbedürfnisse sensibler Polarregionen doch ähnlich sein sollten. Daher sollte sich der Schutz der  Arktis ein Beispiel an jenem der Antarktis nehmen. Für diese wurde bereits 1959 (von damals 12 Staaten) der Antarktisvertrag geschlossen,  dem mittlerweile 48 Länder angehören. Das Abkommen sieht insbesondere vor, dass die Antarktis nur friedlichen, insbesondere wissenschaftlichen Zwecken zugänglich sein soll. Militärische Aktivitäten sind verboten.  Eine Reihe weiterer Abkommen schützt Flora und Fauna der Antarktis und bewahrt sie vor dem Abbau von Rohstoffen (siehe zuletzt vor allem das Protocol on Environmental Protection to the Antarctic Treaty 1991).

Es liegt auf der Hand und wird durch den intensiven Abbau von Bodenschätzen bestätigt, dass die Arktis nicht weniger schutzbedürftig ist. Dass es bisher nur ansatzweise gelungen ist, einen homogenen Rechtsschutz zu realisieren (zB durch den Arktischen Rat, der seit 1996 dem Interessenausgleich zwischen den Anrainerstaaten und den inidgenen Völkern dienen soll), kann auch daran liegen, dass die Arktis – zum Unterschied von der Antarktis – keine eigener Kontinent ist, sondern eine Land- und Wasserfläche, die territorial in die Hoheitsgebiete mehrerer Anrainerstaaten fällt (Russland, USA, Kanada, Grönland, Norwegen, Schweden, Finnland), die diesbezüglich nicht immer an einem Strang ziehen. Dies hat sich zuletzt an einer Außenministerkonferenz zu Artkisfragen gezeigt, zu der Kanada im März 2010 geladen hatte, ohne dabei aber Schweden, Finnland und Island zu berücksichtigen (Island gehört zwar geografisch nicht zur Arktis, seine Gewässer sind aber mit ihr verbunden). Die eher einseitige Interessenverfolgung zeigte sich aber auch an einer russischen U-Boot-Aktion, bei der durch Verankerung der Nationalflagge direkt auf (unter) dem Nordpol Gebietsansprüche manifestiert wurden. Solche Entwicklungen sind im Hinblick auf die zunehmende geografische Bedeutung der Arktis (Befahrbarkeit der Nordwest- und Nordostpassage infolge zunehmender Eisschmelze) und in Zeiten stetiger Rohstoffverknappung national verständlich, international aber besorgniserregend. Die Anrainerstaaten sind daher aufgerufen,  ein Regelwerk zu errichten, das jenem des Antarktisvertrages entspricht. Es sollte ein ähnlicher Schutzstandard erreicht werden, der den politischen und geografischen Gegebenheiten der Arktis Rechnung trägt. Erste Überlegungen in diese Richtung beruhen derzeit auf privaten Einzelinitiativen, die durchaus begrüßenswert sind, weil sie zB den Entwurf eines Arctic Treaty hervorgebracht und damit den Weg zu einer Annäherung zwischen dem rechtlichen Schutz der Arktis und der Antarktis gewiesen haben.

Sollte es damit gelingen, auch in Bezug auf andere der zahllosen Gegensätze dieser Welt zum Brückenbau anzuregen, wäre dies - nicht nur juristisch - erfreulich!