Start Reisegeschichte

Die Geschichte einer "Zeitreise"

2007: Zankl überlegt, wohin seine nächste Motorradtour gehen soll. Da er schon alle Kontinente bereist und befahren hat, bleibt eigentlich nur noch ein Ziel: die Antarktis. Mit dem Motorrad dorthin zu gelangen, ist allerdings kompliziert, logistischer Support daher erforderlich. Die darauf angesprochenen Motorradhersteller halten das Vorhaben für aberwitzig und winken ab – Zankl  unternimmt zum Trost eine Motorradtour am Amazonas. Das Antarktis-Projekt liegt auf Eis.

Bis 2009 eine Einladung aus Santiago de Chile kommt, um dort Vorträge über IT-Recht zu halten. Santiago ist vier Flugstunden von Punta Arenas am südlichen Ende der Welt entfernt, von wo man zu antarktischen Forschungsstationen fliegen kann. Zankl nimmt die Einladung für November 2009 an und organisiert den Antarktisflug, ist aber für Oktober 2009 bereits beim Polar Circle Marathon am anderen Ende der Welt (in Grönland) gemeldet. Aus der Zeitnot wird eine Tugend und er beschließt, auch in der Antarktis (mit GPS auf eigene Faust) zu laufen. Damit möchte er auch seiner für das IT-Recht erhobenen Forderung nach Informations- und Transaktionsfreiheit Ausdruck verleihen („freedom of exchange of information, said Wolfgang Zankl“, New York Times).

So wird Zankl zwar nicht der erste Motorradfahrer in der Antarktis, aber der Erste, der innerhalb eines Monats sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis - und dazwischen, weil es “am Weg“ liegt, in Kuba - läuft.  Schon diese Route macht die Planung und Durchführung der Reise kompliziert. Hinzu kommen Überschneidungen mit beruflichen Terminen und Läufen in Asien, die ebenfalls bereits fixiert waren.  So ergibt es sich, dass Zankl zwei Tage nach einer Vorlesung in Santiago de Chile in der Antarktis ist und drei Tage nach seiner Rückkehr aus der Antarktis nach Hongkong und Tokio aufbricht, um auch dort Vorträge zu halten und in Macao an einem Lauf teilzunehmen. Das Zusammentreffen dieser und vieler anderer privaten und beruflichen Destinationen innerhalb weniger Wochen mit ständig wechselnden Zeit- und Klimazonen hat allmählich das Gefühl der Zeitlosigkeit erzeugt – einer Zeitreise, die nicht nur unzählige Flüge, sondern auch ein besonderes Zeitmanagement erfordert. Dessen wichtigste Erkenntnis war, dass man auch (oder vielleicht gerade dann) viel erreichen kann, wenn man zwar selbstständig, selbst aber nicht ständig erreichbar ist.

Womit man an einem Punkt ist, an dem oft die Frage gestellt wird, warum man sich das antut: Im Hochsommer bei -25 Grad (in einer Kühlhalle) trainieren, um dann in kürzester Zeit um die ganze Welt zu fliegen, in den unwirtlichsten, kältesten und am weitesten voneinander entfernten Regionen der Erde zu laufen und das Ganze auch noch mit beruflichen Aktivitäten zu verbinden. Die Antwort hat Zankl kürzlich auf eben diese Frage zu seinen auch nicht ganz alltäglichen Motorradreisen gegeben. Die Zeitschrift Anwalt Aktuell hat dies mitsamt dem fachlichen Hintergrund seiner „Zwischenstopps“ in Südamerika und Asien so zusammengefasst:

"Womit sich die Frage stellt, warum man sich das antut. Zankl gibt folgende Antwort:  Es geht um Freiheit, und zwar nicht nur im Sinne von Unabhängigkeit und Erlebnissen, die man viel unmittelbarer und intensiver wahrnimmt als bei herkömmlichen Reisen, sondern vor allem auch um Freiheiten im Kopf. Es entstehen Gefühle, Eindrücke und Momente besonderer Konzentration und Intensität, die völlig anders sind als das, was ich beruflich mache. Solche Kontraste finde ich gut, wenn man kreativ und beweglich bleiben will. Diese Impulse und die Freiheiten im Kopf, von denen Zankl erzählt, wenn er seine Touren Revue passieren lässt, prägen in der Tat auch sein Berufsleben: Drei Tage nach seiner Rückkehr aus der Antarktis bricht er im Dezember 2009 nach Hongkong und Tokio auf, um dort – wie schon zuvor in Santiago de Chile - über die Freiheit des Internet zu sprechen. Er bezieht sich dabei auf Informations- und Transaktionsfreiheit, auf deren Basis sich das weltweite Netz erfolgreich entwickelt habe. In jüngerer Zeit werde diese Freiheit aber vor allem durch Sperren und Monopole in Zweifel gezogen. Zankl ist diesbezüglich skeptisch. Er beobachtet und bearbeitet das Internetrecht seit 2001, als er mit dem e-center den ersten und mittlerweile weltgrößten Think Tank für IT-Rechtssicherheit gegründet hat. Vor diesem Hintergrund fordert  Zankl „freedom of exchange of information“ und wird dafür im Mai 2009 weltweit, ua von der New York Times zitiert“.